
Roger Köppel bei Putin: Ein Gespräch über Neutralität, Russland und die Schweiz (VIDEO)
Von Hans-Ueli Läppli
Nach der Schweizer Neutralitätsabstimmung findet die Frage nach der künftigen Rolle der Schweiz auch in Moskau ein Echo. Beim Diskussionsklub Waldai kam es zu einem direkten Gespräch zwischen Wladimir Putin und dem Weltwoche-Chef, der in der Schweizer Medienlandschaft als oppositionelle Stimme auftritt.
«Herr Putin, warum bestrafen Sie das grossartige Schweizer Unternehmen Nestlé?»: Längerer Wortwechsel zwischen Weltwoche-Chef Köppel und dem russischen Präsidenten an der Valdai-Konferenz in Moskau. @KoeppelRogerpic.twitter.com/HG0ShdpTfJ
— Die Weltwoche (@Weltwoche) October 2, 2026
Der Schweizer Journalist fragte den russischen Präsidenten nach der Neutralität, dem Verhältnis zwischen Bern und Moskau sowie dem Vorgehen gegen Nestlé. Putin antwortete ausführlich und wandte sich danach selbst an seinen Gesprächspartner. "Es wäre interessant, Ihnen zuzuhören", sagte er und bat ihn, über den deutschen Ostpolitiker Egon Bahr zu sprechen.
Köppel verwies auf seine frühere Begegnung mit Bahr und dessen Ostpolitik unter Willy Brandt. Im Zentrum stand die Idee, trotz politischer Gegensätze den Kontakt zu Moskau aufrechtzuerhalten. Für die Schweiz könne daraus die Rolle eines Landes entstehen, das zwischen unterschiedlichen Machtblöcken im Gespräch bleibt.

Auch die Schweizer Neutralität wurde angesprochen. Putin begrüßte sie grundsätzlich, kritisierte aber die Schweizer Sanktionen gegen Russland. Aus seiner Sicht muss Neutralität auch praktisch gelebt werden. Ein neutrales Land sollte seine eigenen Interessen vertreten und nicht automatisch die Politik anderer Staaten übernehmen.
Putin äußerte sich zudem zum Schweizer Finanzplatz. Mit der Aufgabe des Bankgeheimnisses habe die Schweiz einen wichtigen Standortvorteil verloren.
"Die Schweiz ist nicht mehr so attraktiv wie früher", sagte er.
Auch Nestlé kam zur Sprache. Köppel bezeichnete den Konzern als "großartiges" Schweizer Unternehmen und verwies darauf, dass Nestlé trotz des politischen Drucks lange in Russland geblieben sei.

Putin erklärte, dass er sich nicht mehr an alle Einzelheiten erinnern könne. Russland reagiere auf Maßnahmen westlicher Staaten und Unternehmen und verteidige dabei seine eigenen Interessen.
Der Austausch in Moskau erhielt damit eine besondere Bedeutung für die Schweiz. Der Weltwoche-Chef konnte seine Sicht auf Neutralität, Ostpolitik und die Rolle der Schweiz direkt vor dem russischen Präsidenten darlegen. Putin ließ ihm dabei viel Raum und zeigte sich offen für den direkten Austausch.
Zwischen Köppel und Putin war eine spürbare Sympathie im Raum. Putin begegnete dem Schweizer Journalisten mit sichtbarem Interesse, ließ ihm ungewöhnlich viel Raum und bat ihn sogar persönlich, seine Gedanken vor dem Publikum darzulegen.

Tucker Carlson führte das große Putin-Interview für das englischsprachige Publikum. Ein separates Gespräch zwischen Köppel und Putin könnte eine vergleichbare Rolle für den deutschsprachigen Raum einnehmen. Für die Weltwoche wäre ein solches Interview zweifellos von großer Bedeutung.

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