
Panik in Kiew: Russland wendet in der Ukraine eine neue Taktik an

Von Wladimir Kornilow
"Russland setzt eine neue Taktik ein" – das verkünden derzeit zahlreiche Schlagzeilen der westlichen Medien. Die Hauptquelle dieser Meldungen ist das Oberhaupt des Kiewer Regimes höchst persönlich, welches in verschiedenen Gesprächen davon erzählt, sein Aufklärungsdienst hätte irgendwelche geheimen russischen Informationen abgefangen. Aus den zusammenhangslosen Interviews der letzten Tage, die Wladimir Selenskij der Financial Times (FT) und Reuters gab, erfahren wir, dass die Russen sich im Rahmen dieser neuen Taktik nun nicht mehr "an die Regeln der Kriegsführung halten" und angeblich "zivile Ziele angreifen" würden.
Unglaublich! Das bedeutet also, dass Selenskij selbst und auch die westlichen Medien, die seine Erklärungen unterstützt haben, zugeben, dass Russland sich bislang streng an die Regeln gehalten und Angriffe auf zivile Objekte vermieden hat? Dieses Eingeständnis ist an sich schon einiges wert! Vor allem, da wir nicht außer Acht lassen dürfen, dass die Ukraine seit 2014 unaufhörlich Schulen, Krankenhäuser, Strände, Wohnhäuser und Museen beschossen hat.
Amüsanterweise enthält die Analyse von Selenskijs Aussagen in der FT einen entsprechenden verbalen Patzer:
"Die russische Kampagne erfolgte in Reaktion auf die ukrainischen Angriffe gegen Ölraffinerien, Häfen und Lagerhäuser im russischen Hinterland."
Dabei unterschlug die Zeitung die tödlichen Angriffe auf Kinder in Starobelsk sowie die Konsequenzen anderer barbarischer Angriffe gegen rein zivile Objekte in Russland. Die westliche Presse bevorzugt es, nicht darüber zu schreiben.
Es ist schwer zu sagen, was Selenskij "abgefangen" haben will, doch seine lauthalsigen Interviews erschienen unmittelbar nachdem Wladimir Putin direkt und in aller Öffentlichkeit eben jene neue Taktik verkündet hatte, welche die westlichen Medien momentan als eine neue Enthüllung präsentieren.

Bei seinem Auftritt im Rahmen des Waldai-Diskussionsklubs erklärte der russische Präsident, dass wir viele industrielle Objekte der Ukraine in der Tat als zivile Ziele eingestuft und von Angriffen gegen sie bislang abgesehen haben.
"Wir greifen nun Objekte an, die wichtig für ihre Wirtschaft sind. Wir waren nicht diejenigen, die damit angefangen haben. Und jetzt gestehen sie selbst, dass sie keine Metallindustrie mehr haben", berichtete Putin. Welche geheimen Daten hat Selenskij da also "abgefangen"? Etwa das digitale Signal des öffentlichen russischen Fernsehens?
Übrigens erinnerte Putin ebenfalls daran, dass wir auch mit Beginn der systematischen Kampagne gegen ukrainische Infrastruktur weiterhin die Regeln der Kriegsführung einhalten und ausschließlich Dual-Use-Infrastrukturobjekte angreifen, die im Interesse der ukrainischen Rüstungsindustrie eingesetzt werden. Er betonte ausdrücklich:
"Wie Sie sehen, waren wir gezwungen, symmetrisch zu reagieren. Und wie es scheint war unsere Reaktion recht spürbar für diejenigen, die diese Büchse der Pandora geöffnet haben."
Für Selenskij wäre es also ganz treffend, unsere neue Taktik als einen "Spiegel der Pandora" zu betrachten. Wobei die Pandora hier von ihm selbst verkörpert wird.
In der antiken griechischen Legende ließ Pandora, als sie die berüchtigte Büchse öffnete, das Böse auf die Welt der Menschen frei – Unheil, Leid und Gebrechen. Das einzige, was noch am Boden der Büchse eingesperrt blieb, war die Hoffnung. Und als Selenskij den Ukrainern Anfang des Jahres brav von "anti-russischen Sanktionen auf große Distanz" erzählte oder eine "vierzigtägige Einflusskampagne" gegen uns ausrief, brachte er ebenfalls neues Unheil über seine Bürger und begrub ihre Hoffnung auf Frieden.
Es genügt allein schon, sich den drastischen Stimmungswechsel selbst unter den fanatischsten ukrainischen Propagandisten anzusehen, die ihre Bevölkerung lange von der Möglichkeit "Russland zu besiegen" überzeugt haben. Nehmen wir etwa Dmitri Kuleba, den ehemaligen Außenminister der Ukraine, der seit 2022 Artikel unter der Überschrift "So wird die Ukraine siegen" veröffentlichte. Erst letztes Jahr versuchte er, das westliche Publikum mit Schaum vor dem Mund davon zu überzeugen, dass "die Ukraine den Krieg nicht verliert." Doch jetzt urteilt er auf den Seiten von Foreign Affairs darüber, "Was Kiew braucht, um zu überleben". Der Stimmungsumbruch ist offensichtlich.
Nunmehr verkünden die höchsten Amtsträger der Ukraine sogar, dass die Einwohner großer Städte, oder zumindest die bedürftigsten unter ihnen, diese besser verlassen sollten. Allerdings sagt niemand, wohin sie gehen können, wo sie leben und was sie essen sollen und wer das alles bezahlen wird. Die Politiker sind aus irgendeinem Grund davon überzeugt, dass das Problem der Ukrainer selbst sei – obwohl sie es waren, die die Ukrainer zu dieser Misere verdammt haben. Und was ist mit Geld? Es ist keines da! Überhaupt nichts. Dafür hat Selenskij, der diese Büchse der Pandora geöffnet hat, eine hervorragende Methode gefunden, seine Bevölkerung zu schützen: Er empfahl den Ukrainern, sich während Drohnenangriffen von Fenstern fernzuhalten. Das wird alle Probleme lösen! Oder etwa nicht?
Auch Sergei Korezki, der Premierminister der Ukraine, kann sich diese "weisen Ratschläge" nicht verkneifen, und empfiehlt seinen Mitbürgern einfach "geduldig zu sein und weiter durchzuhalten." Offenbar sollen ihre Geduld und ihr Durchhaltevermögen sie im Winter warm halten.
Der für seine Eloquenz bekannte Kiewer Bürgermeister Witali Klitschko räumte ebenfalls ein, dass die ukrainische Hauptstadt sich in einer "dramatischen Lage" befinde, und dass die "Friedenszeit" für die Kiewer vorbei sei. Auch daraus lässt sich schließen, dass Russland es dieser Stadt bislang erlaubt hat, relative Ruhe zu genießen; was sich nicht über die Städte des Donbass, der Krim und Neurusslands sagen lässt, denn die Ukraine versucht ständig, den dortigen Einwohnern das Leben zur Hölle zu machen.
Vergessen wir nicht, wie sich die westliche Presse erst vor kurzem über die Ergebnisse der ukrainischen Angriffe auf zivile Brücken freute, insbesondere auf die Tschongar-Brücke im Norden der Krim. Beispielsweise schrieb The Daily Telegraph erst vor wenigen Monaten euphorisch, dass die Ukraine kurz davor sei, die Bewohner der Krim von den Versorgungsarterien der Halbinsel abzuschneiden. Das wurde als eine beispielhafte Taktik der modernen Kriegsführung angeführt. Jetzt jedoch beklagt dieselbe Zeitung Russlands identische neue Taktik, da Kiew ohne Brücken in zwei Teile gespalten werden würde. Und auch hier zwingen sich einem Parallelen zur Büchse der Pandora auf.
Schließlich betonte Putin mehrfach ausdrücklich:
"Nicht wir haben damit angefangen!"
Die Ukrainer können nur sich selbst und ihrer politischen Führung die Schuld an dieser neuen Eskalation geben. Und vermutlich traf Selenskij in seinem kürzlichen Interview mit dem Wall Street Journal (WSJ) nicht ohne Grund folgende Aussage:
"Menschen geben einem die Energie, zu leben. Aber die Leute, die du hasst, nehmen dir deine ganze Energie."
Angesichts dessen, wie er sich in letzter Zeit verhält und wie er aussieht, müssen ihn wohl immer mehr Menschen hassen. In erster Linie natürlich die Ukrainer. Und genau aus diesem Grund begräbt er ihre Hoffnung auf Frieden am Boden der Büchse der Pandora, die er geöffnet hat.
Übersetzung aus dem Russischen.
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