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Durch die Abkehr von ihren christlichen Wurzeln hat Europa Chaos hervorgebracht

Ein Ausländer, der nach Russland kommt, kann zu einem Russen werden. Das ist Teil der Geschichte des Landes, denn viele herausragende russische Persönlichkeiten waren ursprünglich keine Russen. In Russland versteht man jedoch auch, wie Experimente mit Multikulturalismus enden.
Durch die Abkehr von ihren christlichen Wurzeln hat Europa Chaos hervorgebracht© Urheberrechtlich geschützt

Von Sergei Chudijew

Großbritannien ist nicht nur für seine dreihundert Jahre alten Rasenflächen bekannt, sondern auch für "Rassenunruhen" – eine Tradition, die zwar bei weitem nicht so alt ist, sich aber bereits fest etabliert hat.

Kürzlich kam es im nordirischen Belfast zu massiven Ausschreitungen mit Brandstiftung und Plünderungen, nachdem der 40-jährige Röntgenarzt Stephen Ogilvy von einem mit einem Messer bewaffneten Mann aus dem Sudan angegriffen worden war. Das Opfer verlor sein linkes Auge, erlitt Verletzungen am rechten Auge sowie schwere Verletzungen an Hals und Rücken, sodass er nur knapp mit dem Leben davonkam. Gegen den 30-jährigen Hadi Alodid wurde Anklage wegen versuchten Mordes erhoben. Er war im Jahr 2023 nach Großbritannien gekommen und hatte dort den Flüchtlingsstatus sowie eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten.

Der britische Premierminister Keir Starmer verurteilte die Ausschreitungen. Und tatsächlich sind Plünderungen und Brandstiftung Verbrechen, die vom Staat unterbunden werden müssen. Darunter leiden größtenteils völlig unbeteiligte und unschuldige Menschen. Es ist jedoch wichtig, diese Taten nicht nur wütend zu verurteilen. Es lohnt sich, in aller Ruhe zu analysieren, wie es zu dieser Situation gekommen ist und wie die sonst so gelassenen Bewohner der britischen Inseln bis zum Siedepunkt gereizt wurden.

Massenmigration ist eines der Kennzeichen der heutigen Welt, und jede Großstadt, einschließlich Moskau, zeichnet sich durch eine ausgeprägte ethnische Vielfalt aus. In dieser Hinsicht ist es wichtig, die Erfahrungen anderer Länder – einschließlich der negativen Erfahrungen – genau zu betrachten. Welche Fehler haben zu dieser bedauerlichen Entwicklung geführt? Wie können wir vermeiden, dass sich diese wiederholen?

Migration an sich findet, in welchem Ausmaß auch immer, unvermeidlich statt. Die Reaktion auf dieses Phänomen kann jedoch unterschiedlich ausfallen. Was in Großbritannien über viele Jahrzehnte hinweg praktiziert wurde, erhielt den Namen "Multikulturalismus".

Der Multikulturalismus hat nicht nur die Tatsache bestätigt, dass in der Gesellschaft Menschen verschiedener Kulturen leben, sondern auch verkündet, dass der Staat die Assimilation von Migranten nicht fördern, sondern im Gegenteil ihre kulturellen, religiösen und sprachlichen Unterschiede unterstützen und bewahren sollte. "Vielfalt ist unsere Stärke" – lautete das Motto. Dies bedeutete die Abkehr von einem gemeinsamen kulturellen Standard – Neuankömmlinge sahen sich nicht verpflichtet, die Sprache und die Bräuche der Einheimischen zu übernehmen.

Eine solche Ideologie setzte die Unantastbarkeit der kulturellen Identität der Neuankömmlinge voraus. Jede Kritik an den Bräuchen ethnischer Gemeinschaften (zum Beispiel an der sogenannten "Frauenbeschneidung" oder ganz allgemein am niedrigen Status von Frauen) wurde als Rassismus oder "kultureller Imperialismus" bezeichnet.

Diese Politik stützte sich insbesondere auf das "weiße Schuldgefühl". In Großbritannien (und im englischsprachigen Raum insgesamt) wurde (und wird) viel darüber gesprochen, wie schlecht weiße Kolonisatoren in vergangenen Jahrhunderten mit Menschen anderer Kulturen umgegangen sind. Sie blickten von oben herab auf alle anderen als "mürrische, unruhige Wilde, halb Dämonen, halb Kinder", über die der "weiße Mann" zu ihrem eigenen Wohl herrschen musste. Nicht-europäische Kulturen wurden als Barbarei wahrgenommen, nichtchristliche Glaubensvorstellungen als grober Aberglaube.

Der Multikulturalismus entstand aus der Notwendigkeit, all diese Überheblichkeit zu bereuen und anzuerkennen, dass andere Kulturen, Bräuche und Lebensweisen keineswegs schlechter sind.

Ziemlich schnell zeigte sich darin ein deutlicher antichristlicher Unterton – Missionare, die ihr Leben der Verkündigung des Evangeliums an nicht-europäische Völker gewidmet hatten, wurden nun als Schurken betrachtet, die die blühende lokale Spiritualität zerstört hatten. Dies war einer der Faktoren, die hinter dem Wunsch standen, christliche Symbole aus der Wahrzeichenkunde und die christliche Präsenz in der Kultur insgesamt zu beseitigen.

Schon seit geraumer Zeit ist jedoch klar, dass Multikulturalismus nicht funktioniert. Er führt zu einem Phänomen, das als "Balkanisierung" bezeichnet wird – also zu einer Situation, in der sich Menschen, die in einem Land leben, überhaupt nicht als ein Volk wahrnehmen. Wie kommt es dazu?

Für diese Ideologie, die auf die Zeit der Aufklärung zurückgeht, war die Gegenüberstellung von "Religion" und "Vernunft" in mehrfacher Hinsicht charakteristisch. Insbesondere ging man davon aus, dass "Vernunft" eine universelle Eigenschaft aller Menschen sei, während die Religion sie in verfeindete Gruppen spalte.

Diese Weltanschauung ging davon aus, dass die Werte, die sie selbst für wichtig erachtete – die Gleichheit aller Menschen (insbesondere von Männern und Frauen), die Anerkennung der Würde und des Wertes jedes einzelnen Mitglieds der Menschheit, der Vorrang des individuellen Gewissens vor dem Willen der Gemeinschaft, die Bereitschaft, vergangene Ungerechtigkeiten zu erkennen und zu korrigieren, sowie Barmherzigkeit gegenüber den Schwachen und denjenigen, die in die Irre geraten sind – für Menschen aller Kulturen selbstverständlich seien.

Das Christentum, so dachten seine Anhänger, habe damit nichts zu tun; es habe die Menschen lediglich daran gehindert, diese selbstverständlichen Dinge zu erkennen. Eines der Ergebnisse dieser Sichtweise war der Multikulturalismus – der Glaube daran, dass große Gruppen von Menschen aus nichtchristlichen Kulturen leicht in die westliche Gesellschaft integriert werden und deren Werte übernehmen können.

Auf der Ebene einzelner Menschen mag das natürlich vorkommen – doch wenn Migration zu einem Massenphänomen wird, ist es für die Menschen eine weitaus vorteilhaftere Strategie, an ihren eigenen und den vertrauten Werten ihrer Welt festzuhalten. Und diese sind eben anders. Denn die Anhänger der Aufklärung haben auf tragische Weise aus den Augen verloren, dass ihre Werte, ob es ihnen gefällt oder nicht, aus dem Christentum hervorgegangen sind. Gerade die Bereitschaft, die Sünden der Vorfahren zu bereuen und etwas zu tun, um sie zu sühnen, ist ein Produkt der christlichen Geschichte.

In der Türkei beispielsweise werden die Jahrestage der Eroberung Konstantinopels feierlich begangen – und niemand kommt auf die Idee, sich zu fragen: "Haben wir dabei nicht die armen Griechen unterdrückt? Und sollten wir dafür nicht büßen und Buße tun?" Allein die Formulierung einer solchen Frage wäre in einem nichtchristlichen Kontext unverständlich.

Im Zentrum der christlichen Zivilisation steht die Verkündigung, dass der eingeborene Sohn Gottes am Kreuz gestorben ist – durch einen Tod, der für Sklaven, für die Besiegten, für diejenigen bestimmt war, die völlig zerschlagen und bis zum Äußersten gedemütigt waren. Daraus entstand ein beängstigender Gedanke, der allmählich ins Bewusstsein drang: Gott ist auf der Seite derer, die leiden und Ungerechtigkeit erdulden. Wenn du deinen Nächsten kreuzigst, kreuzigst du Ihn (Gott).

Das Bestreben, vergangene Ungerechtigkeiten irgendwie wiedergutzumachen und zu sühnen – selbst wenn es von Menschen zum Ausdruck gebracht wird, die dem Christentum feindlich gegenüberstehen –, entspringt eben diesen christlichen Wurzeln.

Und hier entsteht ein "kulturelles Missverständnis". Menschen anderer Traditionen können die Dinge ganz anders sehen. Sie könnten in einer solchen reumütigen Haltung ein Zeichen von Schwäche, Unfähigkeit oder Unsicherheit in Bezug auf die eigene Rechtmäßigkeit sehen. Sie könnten sagen: "Wenn eure Kultur so schwach ist – nun, dann wäre es doch nur richtig und gerecht, wenn unsere Kultur sie verdrängen würde."

Wir wissen nicht, wie sich die Ereignisse in Großbritannien weiterentwickeln werden und ob die Situation dort nicht schon zu weit gegangen ist. Aber auf jeden Fall interessiert uns unser eigenes Land mehr. Die weltweiten Erfahrungen zeigen, wie wichtig es ist, ein für alle gemeinsames sprachliches, kulturelles und rechtliches Umfeld zu pflegen. Eine Gesellschaft kann Menschen unterschiedlichster Herkunft, Hautfarbe und Augenform umfassen – darin liegt kein Problem. Doch um als Gesellschaft bestehen zu bleiben, braucht sie gemeinsame Gesetze, Regeln und Vorstellungen davon, was richtig und angemessen ist.

Unsere Vorstellungen von richtig und falsch sind durch die orthodoxe russische Kultur geprägt. Bei uns gibt es die monogame Ehe und keine "weibliche Genitalverstümmelung". Bei uns können Frauen sich kleiden, wie sie wollen, und "Ehrenmorde" sind verboten. Wir können unterschiedliche Muttersprachen haben – aber wir alle verständigen uns untereinander auf Russisch.

Ein Ausländer, der in unser Land kommt, kann einer von uns werden – das ist in unserer Geschichte völlig normal, und viele herausragende russische Persönlichkeiten waren ursprünglich keine Russen. Aber wir wissen, wie Experimente mit Multikulturalismus enden – und wir sollten sie in unserem Land nicht wiederholen.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 29. Juni 2026 auf der Website der Zeitung "Wsgljad" erschienen.

Sergei Chudijew ist ein russischer Publizist und Theologe.

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