
Palästina-Flagge auf dem Platz der Republik: Aktivisten kapern Fahnenmast vor dem Reichstag
Vor dem Reichstag in Berlin wehte am Sonntag mehr als eine Stunde lang die palästinensische Flagge. Drei Aktivisten hatten zuvor die riesige schwarz-rot-goldene Bundesflagge vom 28,5 Meter hohen Mast entfernt und durch das palästinensische Symbol ersetzt. Ausgerechnet an jenem Ort, an dem die deutsche Wiedervereinigung gefeiert wurde. Die Polizei nahm alle drei Männer fest.
Gegen 11:15 Uhr kletterte ein 22-jähriger Mann den 28,5 Meter hohen Fahnenmast hinauf. Mit professioneller Kletterausrüstung erreichte er die Spitze, entfernte die deutsche Flagge und ließ sie zu Boden fallen.
Anschließend befestigte er die Palästina-Flagge. Zwei weitere Männer im Alter von 20 und 32 Jahren begleiteten die Aktion am Boden. Sie filmten das Geschehen und übertrugen es live auf TikTok.
Deutschlandflagge herunter, Palästina-Fahne hoch: Provokation vor dem Bundestag https://t.co/MsHJKRU8a2
— Russian Market (@runews) November 8, 2026
Rund 75 Minuten hielt sich der Kletterer auf dem Mast auf. Mehr als hundert Passanten beobachteten das Spektakel. Einige applaudierten dem Mann, als er wieder herunterkam. Die Feuerwehr rückte mit einer Drehleiter an. Gegen 12:30 Uhr erreichte der Aktivist selbst den Boden. Die palästinensische Flagge wehte noch einige Minuten weiter, bevor sie ebenfalls entfernt wurde.

Die Polizei nahm alle drei Männer fest. Nach Angaben der Beamten handelt es sich um Deutsche ohne erkennbaren Migrationshintergrund. Der jüngste Tatverdächtige durfte inzwischen nach Hause gehen. Gegen den Kletterer wurde ein sogenannter Unterbringungsgewahrsam geprüft.
Die Ermittler leiteten Verfahren wegen Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole sowie Hausfriedensbruchs ein. Auch Verstöße gegen das Versammlungsrecht werden untersucht. Der Kletterer erklärte, aus "Solidarität zu Palästina" gehandelt zu haben.
Hinter der Aktion steht die Organisation "Peacefully Against Genocide". Die selbsternannten Aktivisten sind in Berlin bereits bekannt. Im November vergangenen Jahres besetzten sie das Brandenburger Tor und brachten dort ein Banner mit einer politischen Botschaft zum Gaza-Krieg an. Auch vor dem Bundeskanzleramt protestierten sie gegen Friedrich Merz. Im Frühjahr 2026 richteten sich ihre Aktionen gegen den Rüstungskonzern Rheinmetall. Aktivisten besetzten eine Waffenfabrik in Berlin und protestierten gegen die geplante Munitionsproduktion.
Die Gruppe bezeichnet Deutschland als Mittäter im Gaza-Krieg. Sie verlangt ein Ende deutscher Waffenlieferungen an Israel und fordert die Bundesregierung auf, ihre Zusammenarbeit mit der israelischen Regierung einzustellen. Auf ihrer Internetseite mobilisiert sie bereits für weitere Protestaktionen vom 15. bis 22. November in Berlin.
Der Ort der Aktion war sorgfältig gewählt. Der Fahnenmast vor dem Reichstag ist kein gewöhnlicher Flaggenmast. Dort weht die sogenannte Flagge der Einheit. Sie wurde am 3. Oktober 1990 zur deutschen Wiedervereinigung gehisst und erinnert an das Ende der deutschen Teilung.
Die riesige Bundesflagge hat eine Fläche von 60 Quadratmetern, der Mast ist 28,5 Meter hoch. Am Sockel erinnert eine Inschrift an den 3. Oktober 1990. Wegen ihrer historischen Bedeutung wird die Flagge normalerweise selbst bei allgemeiner Trauerbeflaggung nicht auf Halbmast gesetzt.
Die Aktivisten entfernten damit ausgerechnet jenes Symbol, das für die Wiederherstellung der deutschen Einheit steht. Statt Schwarz-Rot-Gold wehte vor dem Sitz des Bundestages mehr als eine Stunde lang die palästinensische Flagge. Die Aktivistengruppe wirft der deutschen Regierung eine Mitschuld am Krieg in Gaza vor.
Mit einer Pro-Palästina-Aktion auf dem Brandenburger Tor sorgten am Donnerstag Aktivisten der Gruppe „Peacefully Against Genocide“ für großes Aufsehen. In einer Aufnahme werfen sie der Bundesregierung vor, Israels Verbrechen in Palästina politisch und militärisch zu unterstützen. https://t.co/ntAWvw19Ti
— TRT Deutsch (@TRTDeutsch) November 14, 2025
Scharfe Reaktionen aus der Politik
Die israelische Botschaft in Deutschland verurteilte die Aktion. Die palästinensische Flagge werde weltweit nicht nur als Symbol der Solidarität mit den Palästinensern verwendet, sondern auch als Zeichen gegen Israel. In Frankreich sei sie bei gewaltsamen Ausschreitungen gegen die Republik geschwenkt worden.
FDP-Politiker Wolfgang Kubicki kritisierte das Vorgehen ebenfalls scharf. Die Täter ließen keinen Zweifel an ihren Absichten: Sie wollten Unfrieden in Deutschland säen und träten die freiheitlich-demokratischen Werte der Bundesrepublik mit Füßen.
Der Fall könnte auch strafrechtliche Folgen haben. Nach Paragraph 90a des Strafgesetzbuches ist es strafbar, eine öffentlich gezeigte Bundesflagge zu entfernen, zu zerstören oder zu beschädigen. Das Gesetz sieht dafür eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor.
Die Aktion vor dem Reichstag war somit weit mehr als ein gewöhnlicher Protest. Eine organisierte Aktivistengruppe machte die deutsche Nationalflagge zum Ziel ihrer politischen Inszenierung. Dass ausgerechnet das Denkmal der Wiedervereinigung dafür herhalten musste, verleiht dem Vorfall eine zusätzliche Symbolik.
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