Europa

Briten stürmen Supermärkte: Toilettenpapier wird knapp nach Regierungsaufruf

Toilettenpapier-Verkäufe steigen um 43 Prozent: Laut Medienberichten legte der Absatz der Marke Cheeky Panda gegenüber dem Vorjahr deutlich zu. Auch Taschenlampen und Radios verzeichneten starke Zuwächse.
Briten stürmen Supermärkte: Toilettenpapier wird knapp nach RegierungsaufrufQuelle: Gettyimages.ru © Gareth Fuller:2020 /PA Images /Symbolbild

In Großbritannien legen sich immer mehr Verbraucher Toilettenpapier, Konserven und Notfallausrüstung zu. Hintergrund ist eine Regierungskampagne, die Haushalte dazu aufruft, sich auf Krisen und Ausfälle bei Strom, Wasser, Telefon und Internet vorzubereiten.

Nach Medienberichten sind die Verkäufe einzelner Produkte deutlich gestiegen. 

Die britische Regierung empfiehlt im Rahmen ihrer Kampagne "Be Ready", für mindestens drei Tage mit den wichtigsten Dingen des täglichen Bedarfs auskommen zu können. Auf der offiziellen Checkliste stehen Trinkwasser, haltbare Lebensmittel, Taschenlampen, Ersatzbatterien, ein batteriebetriebenes oder aufziehbares Radio, Bargeld, Medikamente und Erste-Hilfe-Material.

Auch Hygieneartikel und weitere Badezimmerprodukte werden genannt. Die Empfehlungen sollen auf Strom- und Wasserausfälle, schwere Unwetter und andere Notlagen vorbereiten.

Die Kampagne wurde am 22. Oktober vorgestellt und ist Teil eines auf drei Jahre angelegten Programms zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit britischer Haushalte.

Laut Regierung könnten Krisen die Strom- und Wasserversorgung sowie Telefon- und Internetverbindungen beeinträchtigen. Auch die Folgen extremer Wetterereignisse und Bedrohungen durch feindliche Akteure werden im sicherheitspolitischen Kontext thematisiert.

Mit der Kampagne folgt Großbritannien dem Beispiel Frankreichs, Irlands und der Niederlande, wo die Bevölkerung bereits vergleichbare Vorsorgeempfehlungen erhält.

Die Aufforderung scheint bei vielen Verbrauchern angekommen zu sein. Laut The Independent meldeten Anbieter deutliche Zuwächse bei einzelnen Produkten. Der Verkauf von Toilettenpapier lag demnach 43 Prozent über dem Vorjahresniveau. Bei Taschenlampen wurde ein Anstieg um 284 Prozent und bei Radios um 92 Prozent gemeldet. Solche Zahlen beziehen sich auf einzelne Produktkategorien beziehungsweise Anbieter und belegen nicht, dass Supermarktregale im ganzen Land leer sind. 

Die Reaktionen erinnern an die Hamsterkäufe zu Beginn der Corona-Pandemie, als Verbraucher aus Sorge vor Engpässen große Mengen Toilettenpapier und haltbarer Lebensmittel kauften. Auch diesmal kann ein Aufruf zur Vorsorge die Nachfrage kurzfristig erhöhen. Der Unterschied: Die Regierung empfiehlt ausdrücklich, fehlende Vorräte schrittweise bei normalen Einkäufen zu ergänzen, statt alles auf einmal zu kaufen.

Die Kampagne sorgt zudem für Kritik. Händler fühlten sich nach einem Bericht von City A.M. von der Regierung unzureichend auf die Ankündigung vorbereitet. Branchenvertreter bemängelten, dass sie erst kurz vor der Veröffentlichung über die Einzelheiten informiert worden seien. Damit geriet nicht nur die Botschaft der Regierung, sondern auch die Kommunikation mit dem Einzelhandel in die Kritik.

Die britische Regierung meinte es gut und wollte die Bevölkerung auf Krisen vorbereiten. Doch am Ende führte der Vorsorgeaufruf zu Verunsicherung und Hamsterkäufen. Die Bilder aus den Supermärkten erinnern an die Corona-Zeit, als Toilettenpapier und Lebensmittel plötzlich knapp wurden. Ein Beispiel dafür, wie schnell eine gut gemeinte Warnung Panik auslösen kann.

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