Von Hans-Ueli Läppli
Da kommt die nächste Oktoberfest-Katastrophe.
Der Tiroler Landwirt und ÖVP-Funktionär Andreas Norz gerät auf der Wiesn mit einem dunkelhäutigen Influencer aneinander.
Zunächst fragt der österreichische Politiker den Mann, woher er komme, und fordert ihn anschließend auf, nach Hause zu gehen. Als dieser entgegnet, München sei sein Zuhause, erklärt der ÖVP-Funktionär, hier seien die Deutschen zu Hause. Auf die Frage, wie Deutsche denn aussähen, antwortet er: "Weiß."
Das Video wird anschließend in den sozialen Medien veröffentlicht und verbreitet sich rasant. Die Münchner Polizei ermittelt inzwischen wegen des Verdachts der Volksverhetzung.
Kurz darauf folgt die Entschuldigung: Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker distanziert sich von den Aussagen des ÖVP-Funktionärs, der erklärt, er habe zu viel getrunken und Dinge gesagt, die nicht seinen Werten entsprächen.
Ob der Alkohol tatsächlich nur die Hemmungen beseitigt hat oder ob es ein einmaliger Ausrutscher war, lässt sich von außen nicht beurteilen.
Fest steht allerdings: Die Sache bleibt nicht im Bierzelt. Der Mann ist Unternehmer und Gemüsebauer, arbeitet mit Mitarbeitern unterschiedlicher Herkunft und beliefert offenbar größere Abnehmer. Sein Berufsverband hat sich bereits von den Aussagen distanziert.
Damit wird aus einem peinlichen Auftritt auf der Wiesn schnell mehr als eine private Angelegenheit. Ein Handy filmt mit, soziale Medien verbreiten die Szene, und plötzlich müssen sich Partei, Verband und Geschäftspartner mit den Folgen beschäftigen.
Die Welt ist klein geworden – und das Oktoberfest längst keine geschützte Zone mehr für betrunkene "Ausrutscher".
Doch während sich ein österreichischer ÖVP-Funktionär für seine Aussagen rechtfertigen muss, geht es im deutschen Hauptstadtjournalismus gleich wieder in die andere Richtung. Dort wird Friedrich Merz inzwischen zum großen Hoffnungsträger hochgeschrieben.
Wie tief muss der Journalismus eigentlich fallen, wenn ausgerechnet Merz plötzlich als politische Rettungsfigur verkauft wird?
Wer seine Politik verfolgt, muss sich inzwischen fragen, ob manche Hauptstadtjournalisten ihren politischen Auftrag mit der Aufgabe verwechselt haben, einen Kanzler um jeden Preis zu verteidigen.
Ausgerechnet Merz soll nun also unbedingt Kanzler bleiben. Etwa weil seine Politik der AfD bis 2029 die absolute Mehrheit bescheren könnte? Viel mehr unfreiwillige Werbung für die Alternative für Deutschland kann man sich kaum vorstellen.
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