Von Sumitra Bhatti
Neu-Delhi wird seit Montag von schweren Unruhen erschüttert: Immer wieder kommt es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei; Verletzte wurden sowohl unter den Protestierenden als auch unter Polizisten, Sicherheitskräften und Journalisten gemeldet.
Trotz der Bemühungen von Regierungsvertretern, mit den Anführern der Proteste in Kontakt zu treten, ist das Zentrum von Delhi nach wie vor von jungen Menschen überfüllt, die Symbole der sogenannten "Kakerlaken-Volkspartei" (Cockroach Janata Party, kurz CJP) tragen – einer satirischen Bewegung, die sich innerhalb von nur drei Monaten von einem Internet-Meme zu einer politischen Kraft entwickeln konnte. Die Präsenz der Sicherheitskräfte ist dabei massiv.
Der indische Premierminister Narendra Modi richtete am Donnerstag zwei öffentliche Appelle an die Bevölkerung, um die Proteste zu beruhigen. In einem Beitrag auf der Plattform X kündigte er an, dass die Regierung Schnellgerichte einrichten werde, um eine strenge Bestrafung der Personen sicherzustellen, die für das Leck bei den NEET-Prüfungsaufgaben verantwortlich seien.
Die nationale Zulassungsprüfung (National Eligibility-cum-Entrance Test, kurz NEET) wird jährlich von mehr als zwei Millionen indischen Studienbewerbern abgelegt, die um eine begrenzte Anzahl von Studienplätzen an medizinischen Hochschulen konkurrieren. Genau dieser Test war der Auslöser der aktuellen Unruhen. Das Durchsickern der Prüfungsaufgaben im Mai führte zur Annullierung der Prüfung und soll angeblich der Grund für den Selbstmord von Dutzenden Prüflinge gewesen sein.
Dieser Skandal wurde schnell zum zentralen Mobilisierungsfaktor der CJP, obwohl die Bewegung ursprünglich nicht um dieses Thema herum entstanden war. Wie RT bereits zuvor berichtete, weitete sich die Agenda der Protestierenden bald aus: Politische Aktivisten – und inzwischen auch Oppositionsparteien – unterstützen die Bewegung offen und erheben Forderungen, die weit über eine Reform des Bildungswesens hinausgehen.
In einem am Donnerstag veröffentlichten Beitrag versprach Modi, diejenigen zu bestrafen, die für dieses Leck verantwortlich sind. "Nichts ist wichtiger als das Wohlergehen und die Zukunft unserer Jugend. Diejenigen, die versuchen, der Zukunft unserer Jugend zu schaden, werden nicht ungestraft davonkommen", schrieb er auf X.
Später am selben Tag veröffentlichte Modi – in einer für ihn ungewöhnlichen Art und Weise – eine Videobotschaft im Selfie-Format und versprach, dem Parlament einen neuen Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Lecks von Prüfungsaufgaben vorzulegen.
Am Freitagabend folgte ein weiteres Video, diesmal auf Instagram – einer Plattform, die er bislang nur selten genutzt hatte. Darin dankte er seinen jungen Followern dafür, dass sie seine erste Videobotschaft angeschaut und ihre "aufschlussreichen Vorschläge" geteilt hätten. Indischen Medien zufolge gewann Modi über Nacht rund 1 Million Instagram-Follower hinzu, nachdem er das Video am Donnerstag veröffentlicht hatte.
Am Samstag gab Bildungsminister Dharmendra Pradhan seinen Rücktritt bekannt und erfüllte damit die zentrale Forderung der Protestierenden.
In einem auf X veröffentlichten Schreiben erklärte er, er habe diese Entscheidung mit Blick auf die anhaltenden Proteste getroffen. "Angesichts der Lage am Jantar Mantar und in anderen Teilen des Landes bin ich fest entschlossen, nicht zuzulassen, dass antinationale Kräfte die aktuelle Situation ausnutzen. Die nationale Einheit muss gewahrt bleiben, und kein einziger Student in Indien sollte erleben müssen, dass seine Zukunft in Gerichtsverfahren verstrickt wird. Unsere Kinder sollten ihre Zeit ihrem Studium widmen und sich auf den Aufbau ihrer Karriere konzentrieren", schrieb er.
Nach diesem Rücktritt kündigten die CJP-Anführer die Beendigung der Protestaktion "mit sofortiger Wirkung" an und riefen die Demonstranten dazu auf, nach Hause zurückzukehren.
26 Tage Hungerstreik
Nur wenige Stunden nach der Videobotschaft des Premierministers am Donnerstag beendete der Aktivist Sonam Wangchuk – der zum Symbol der "Kakerlaken"-Proteste geworden ist – seinen 26-tägigen Hungerstreik. Der Hungerstreik endete nach Mitternacht im Medanta Hospital in Anwesenheit des Ministers für Gesundheit und Familienwohlfahrt, J. P. Nadda, sowie des Staatsministers im Departement für Atomenergie, Jitendra Singh. Beide vertreten die Regierung bei den laufenden Verhandlungen mit den CJP-Demonstranten.
"Ich habe den Hungerstreik nach 26 Tagen beendet, nachdem ich von der Regierung und von Parlamentsabgeordneten aller politischen Parteien die Zusicherung erhalten hatte, dass die Frage der Verantwortung für das versagende Prüfungssystem im indischen Parlament diskutiert wird", sagte Wangchuk.
"Die Regierung hat außerdem zugesichert, dass die Familien der Selbstmordopfer im Zusammenhang mit dem jüngsten Leck bei den NEET-Prüfungsaufgaben angemessen entschädigt werden und dass gegen die friedlich protestierenden Studenten und Jugendlichen keine Strafverfahren eingeleitet werden."
Wangchuk war am 18. Juli auf ärztlichen Rat und Anordnung des Hohen Gerichts von Delhi wegen Bedenken hinsichtlich seines sich verschlechternden Gesundheitszustands zwangsweise vom Protestort am Jantar Mantar im Zentrum Delhis ins Krankenhaus gebracht worden.
Einige Kommentatoren, die die Proteste unterstützen, beeilten sich, Wangchuk dafür zu kritisieren, dass er seinen Hungerstreik beendet habe, bevor die zentralen Forderungen der Demonstranten erfüllt worden seien. In einem emotionalen Video, das am Freitagabend veröffentlicht wurde, reagierte der Aktivist auf die Kritik und fragte, ob von ihm nach 26 Tagen Hungerstreik nun etwa noch ein "Leumundszeugnis" erwartet werde.
Wangchuk schilderte zudem, was er nach seiner Verlegung ins Krankenhaus erlebt hatte – vieles davon blieb der Öffentlichkeit verborgen. Er erklärte, der Hauptgrund für die Beendigung seines Hungerstreiks sei gewesen, eine Ausbreitung der Gewalt im ganzen Land zu verhindern und weiteren Schaden für die Protestierenden abzuwenden. Er fügte hinzu, dass für ihn die zentrale Forderung nicht der Rücktritt des Bildungsministers sei – was seiner Ansicht nach das System an sich nicht ändern würde –, sondern eine verbindliche Zusicherung der Regierung, dass diejenigen, die an den Jantar-Mantar-Protesten teilgenommen hatten, später nicht verhaftet würden.
Bemerkenswert ist, dass zwei große öffentliche Universitäten der Hauptstadt – die University of Delhi (DU) und die Jawaharlal Nehru University (JNU) – offizielle Mitteilungen veröffentlichten, in denen sie Studierende und Lehrkräfte aufforderten, nicht an Kundgebungen im Bereich des Jantar Mantar teilzunehmen. Sie warnten davor, sich "rechtswidrigen Versammlungen" anzuschließen oder sich verantwortungslos in den sozialen Medien zu äußern, da dies sowohl für die Studierenden als auch für die Universitäten rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen und zudem negativen Einfluss auf die zukünftigen Karriereaussichten haben könne. Die DU forderte die Studierenden außerdem auf, "falschen und irreführenden Informationen", die in den sozialen Netzwerken kursieren und die Lage weiter verschärfen könnten, keinen Glauben zu schenken.
Wie eskalierte eine friedliche Demonstration zum Gewaltausbruch?
Obwohl die Demonstration am Jantar Mantar – im Herzen von Neu-Delhi – im Juni als friedliche Sitzprotestaktion begonnen hatte, eskalierte sie in dieser Woche zu Gewalt und Chaos.
Am Montag organisierte die CJP einen Marsch zum Parlamentsgebäude, das etwa eineinhalb Kilometer vom Protestort entfernt liegt. An diesem Tag sollte das Parlament nach der Sitzungspause die Monsun-Sitzungsperiode wieder aufnehmen. Junge Menschen aus ganz Indien – viele von ihnen aus Neu-Delhi – gingen auf die Straße. Die Polizei, die keine Genehmigung für den Marsch erteilt hatte, versuchte jedoch, sie mit Hilfe von Stahlbarrikaden aufzuhalten.
Kurz nach Beginn des Marsches brach Chaos aus, und die Lage geriet rasch außer Kontrolle. Die Polizei setzte Schlagstöcke, Lathis und Tränengas ein, um die Menschenmenge zu zerstreuen. Später teilte die Polizei von Delhi mit, dass fast 180 Menschen verletzt worden seien – 118 Angehörige der Sicherheitskräfte und 60 Demonstranten. Videoaufnahmen, die brutale Angriffe auf Polizeibeamte zeigten, warfen die Frage auf, ob es sich bei den Demonstranten tatsächlich um friedliche Studierende handelte oder ob sich externe Kräfte unter sie gemischt hatten – was Vermutungen über eine umfassendere Verschwörung verstärkte.
Auch mehrere Journalisten führender indischer Nachrichtensender wurden während der Unruhen angegriffen. Einige von ihnen wurden während Live-Übertragungen bedrängt; Videos dieser Vorfälle verbreiteten sich rasch im Internet und wurden von Nutzern scharf verurteilt. CJP-Mitglieder erklärten, die an den Gewalttaten beteiligten Personen hätten nicht zu den "friedlichen Demonstranten" gehört.
CJP-Anführer Abhijeet Dipke bezeichnete das Vorgehen der Polizei als brutal. Die Oppositionsparteien forderten, die Verantwortlichen für das gewaltsame Vorgehen zur Rechenschaft zu ziehen.
Die Opposition unterstützte die Studentenproteste immer aktiver. Am 21. Juli 2026 veranstaltete Oppositionsführer Rahul Gandhi nach den von der CJP organisierten Großdemonstrationen einen vielbeachteten Sitzprotest vor Modis Residenz. Zur Unterstützung der Demonstranten erklärte Gandhi, dass "ein Angriff auf die Studenten ein Angriff auf jede indische Familie" sei, und betonte, dass die jungen Menschen protestierten, weil ihre Zukunft – und das Prüfungssystem selbst – zerstört worden seien. Gandhi wurde während der Demonstration von der Polizei in Delhi festgenommen und später am selben Abend wieder freigelassen.
In den folgenden Tagen kam es am Protestort zu weiteren Unruhen – darunter Steinwürfe und Angriffe auf Polizeibeamte –, sodass die Behörden gezwungen waren, die Sicherheitsvorkehrungen in dem Gebiet zu verschärfen. Das mobile Internet wurde in Zentral-Delhi abgeschaltet, und die Zugänge zu den U-Bahn-Stationen in der Nähe des Protestorts wurden geschlossen.
Proteste fanden auch in weiteren Großstädten des Landes statt, darunter Mumbai, Bengaluru, Kalkutta, Goa, Guwahati, Thiruvananthapuram, Jammu, Ahmedabad, Pune, Lucknow und Nagpur.
Auch im Parlamentsgebäude kam es zu Unruhen. Einige Abgeordnete der oppositionellen Kongresspartei banden sich zum Zeichen der Solidarität mit den festgenommenen Demonstranten Kabelbinder um die Handgelenke. Am folgenden Tag protestierten Abgeordnete der Oppositionsparteien im Parlament. Regionale Parteien wie die Aam Aadmi Party, die Samajwadi Party, der Trinamool Congress und Shiv Sena (UBT) unterstützten öffentlich die Forderungen der CJP, während sich die Parteispitze der Kongresspartei bewusst zurückhaltender zeigte – aus Sorge, den Eindruck zu erwecken, sie wolle eine Bewegung vereinnahmen, die darauf besteht, keine wahlpolitischen Ambitionen zu verfolgen.
Dialog mit der Regierung
Am Freitag führten J. P. Nadda und Jitendra Singh ein zweistündiges Gespräch mit Aktivisten der CJP, darunter dem Hauptsprecher Saurav Das und dem landesweiten Sprecher Ashutosh Ranka. Es war die zweite Verhandlungsrunde innerhalb von zwei Tagen, in deren Verlauf beide Seiten nach einer Lösung für die gewalttätigen Unruhen suchten, die das normale Leben in der Hauptstadt beeinträchtigt hatten. Die Parteien vereinbarten, am Samstag eine dritte Verhandlungsrunde abzuhalten.
Nach Angaben der Regierung stellte die CJP-Delegation drei Hauptforderungen sowie fünf Vorschläge zur Reform des Prüfungssystems vor. Zu den Hauptforderungen der Bewegung gehören der Rücktritt oder die Entlassung des Bildungsministers aufgrund seiner Verantwortung für das Durchsickern von Prüfungsunterlagen, die Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 10 Millionen Rupien (100.000 US-Dollar) an die Familien der NEET-Prüflinge, die sich das Leben genommen haben, sowie die Rücknahme der polizeilichen Anzeigen und gerichtlichen Klagen gegen die an den Protesten beteiligten Studierenden – verbunden mit der Garantie, dass keine weiteren Maßnahmen gegen sie ergriffen werden. Zu ihren Reformvorschlägen zählen eine grundlegende Überarbeitung der landesweiten Auswahlprüfungen, eine strengere Regulierung der Tätigkeit von Vorbereitungszentren sowie eine Überprüfung des Formats der Aufnahmeprüfungen mit dem Ziel, die Gerechtigkeit und Zugänglichkeit der Bildung zu gewährleisten.
Nadda erklärte, die Regierung werde vor der nächsten Sitzung interne Beratungen abhalten, bevor sie auf die von der Delegation aufgeworfenen Fragen eingehe. Vertreter der CJP betonten, dass ihre Hauptforderung nach wie vor der Rücktritt oder die Entlassung Pradhans sei.
In den letzten Tagen unternahm die Regierung eine Reihe von Schritten, um ihre Bereitschaft zur Einhaltung der getroffenen Zusagen unter Beweis zu stellen. Laut Quellen, auf die sich die Nachrichtenagentur ANI am Freitag berief, habe die Nationale Prüfungsbehörde (National Testing Agency, kurz NTA) im Rahmen einer umfassenden Umstrukturierung nach dem Skandal um durchgesickerte Prüfungsaufgaben 47 Mitarbeiter aus dem Dienst entfernt. Medienberichten zufolge könnten gegen einige der Mitarbeiter zudem rechtliche Schritte folgen, bis hin zur Einleitung strafrechtlicher Verfahren.
Darüber hinaus versetzte die Regierung den für Hochschulbildung zuständigen Staatssekretär Vineet Joshi in das Ministerium für Panchayati Raj [zuständig für die ländliche Selbstverwaltung], und das Hohe Gericht von Delhi ernannte Richterin Anu Grover Baliga zur Sonderrichterin für Verfahren im Zusammenhang mit dem Durchsickern von Prüfungsaufgaben.
Am Freitagabend waren die Barrikaden jedoch nach wie vor vorhanden, und die Zahl der Demonstranten nahm keineswegs ab. Sechzehn wichtige U-Bahn-Stationen – darunter Rajiv Chowk, eine der belebtesten der Stadt – blieben geschlossen. Auch die Mobilfunkverbindungen in diesem Gebiet waren unterbrochen, was den gewohnten Lebensrhythmus in der Hauptstadt beeinträchtigte: vom Taxibetrieb über Lieferdienste bis hin zum Einzelhandel.
Die Frage, die in der feuchten Luft Delhis hängt, lautet: Werden diese Maßnahmen ausreichen, um den Protest zu beenden – und werden die jungen Menschen in ihren Kakerlaken-Masken die Straßen letztlich verlassen?
Was wollen diese jungen Menschen?
Während im ganzen Land – im Fernsehen und in den sozialen Netzwerken – hitzige Debatten darüber geführt werden, was die wahre Triebkraft der Proteste ist und wie die allgemeine Agenda der Bewegung aussieht, äußerten sich die Demonstranten, mit denen RT vor Ort sprach, eindeutig: Sie wollen eine Veränderung des Bildungssystems.
"Für die meisten Studierenden aus armen Familien ist Bildung der einzige Weg, sich selbst und ihre Familie aus der Armut zu befreien. Doch diese Träume werden zerstört, wenn das Bildungssystem korrumpiert wird und Prüfungsunterlagen durchsickern. Genau aus diesem Grund fordern die Studierenden entsprechende Erklärungen", sagte der 23-jährige Aviyaan Chaudhary, der am Montagmorgen unter den Studierenden – und ihren Eltern – am Protestort war, bevor der Marsch zum Parlament in Zusammenstöße ausartete.
Chaudhary, der einen Masterstudiengang in Psychologie absolviert, war zusammen mit einem Freund aus dem mehr als 160 Kilometer entfernten Saharanpur im Bundesstaat Uttar Pradesh angereist, um sich dem Protest anzuschließen. Er sagte gegenüber RT, dass seine Eltern dies nicht gutgeheißen hätten, er sich aber dennoch entschlossen habe, für seine Überzeugungen einzutreten.
Shweta Naran, Bachelorstudentin der Sozialwissenschaften an einer Privatuniversität in Greater Noida, traf am 20. Juli um 7 Uhr morgens mit drei Freundinnen am Protestort ein; alle vier sind Studentinnen und waren dem Aufruf der CJP gefolgt.
"Wir haben darauf gewartet, uns dem Protest anzuschließen, weil die Forderungen der Studierenden berechtigt sind. Es geht um die Zukunft jedes jungen Inders. Das hat nichts mit Politik zu tun", sagte sie. Sie fügte hinzu, sie wolle so lange weiter protestieren, bis den Studierenden, die sich nach dem Durchsickern der NEET-Prüfungsaufgaben mutmaßlich das Leben genommen haben, Gerechtigkeit widerfahre. Zugleich betonte sie, das "berechtigte Anliegen der Studierenden" dürfe nicht für "persönliche Interessen oder Interessen der Opposition" instrumentalisiert werden. "Es darf von keiner Partei ausgenutzt werden."
Nicht jeder ist davon überzeugt, dass die Bewegung ihre Dynamik aufrechterhalten kann. "Wohin wird die 'Kakerlaken'-Bewegung führen?", fragte der Politikwissenschaftler Suhas Palshikar.
"Vielleicht nirgendwohin – sie wird es ermöglichen, die angehäufte Unzufriedenheit zum Ausdruck zu bringen, und dann nach und nach wieder abklingen. Wie die Bauernproteste könnte sie einzelne Erfolge erzielen, mit der Zeit aber an Schwung verlieren. Der ideologische und politische Charakter der 'Kakerlaken'-Bewegung ist derzeit noch nicht gefestigt, und verschiedene Kräfte werden unweigerlich versuchen, sie für ihre eigenen Zwecke zu instrumentalisieren."
"Alles wird allein davon abhängen, ob diese Verhandlungen zu einem Kompromiss führen oder die festgefahrene Situation nur weiter verschärfen. Doch für die Tausenden protestierenden jungen Menschen, die am Jantar Mantar unter freiem Himmel in der Sonne ausharren, kommt jeder andere Ausgang nicht infrage", sagte die 19-jährige Hina Zain, eine Studentin, deren Zelt am Protestort steht.
Übersetzung aus dem Englischen.
Sumitra Bhatti ist eine in Indien ansässige Journalistin.