Fünf deutsche Russlandexperten und Friedensaktivisten reisen zu politischen Gesprächen nach Russland. Über die Ziele der Reise berichtet das Delegationsmitglied Reiner Braun auf der Webseite World News Monitor. Gerade in einer Zeit von Kriegen, Kriegsvorbereitungen und einer gigantischen Hochrüstung sei es notwendig, das Gespräch zu suchen und den Dialog zu führen, um Auswege aus der gefährlichen Situation zu finden, so Braun.
Als weitere Delegationsteilnehmer nennt er Hajo Funke (emeritierter Professor des Otto-Suhr-Instituts der FU Berlin), Kerstin Kaiser (ehemalige Büroleiterin der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Moskau), Kathrin Otte (Sprecherrat Friedensbündnis Norddeutschland) und Peter Wahl (Gründungsmitglied von Attac).
Der Politikwissenschaftler Hajo Funke plädiert traditionell für diplomatische Lösungen und Friedenspläne, die die Interessen und Ursachen der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine berücksichtigen. Kerstin Kaiser studierte in Leningrad russische Sprache und ist Diplom-Slawistin. Die langjährige PDS- und Linken-Politikerin leitete von 2016 bis 2022 die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Moskau. Kathrin Otte vertritt antimilitaristische Positionen; sie unternahm bereits im Februar dieses Jahres zusammen mit Reiner Braun eine Reise nach Moskau. Peter Wahl ist als Publizist aktiv; in der Ursachenforschung zum Ukraine-Konflikt plädiert er für eine sachliche Analyse statt für moralische Urteile.
Wie Braun weiter berichtet, reist die Gruppe vom 8. bis 12. November nach Moskau. Geplant sind Gespräche unter anderem mit dem Europainstitut der Akademie der Wissenschaften, dem russischen Rat für internationale Angelegenheiten (RIAC) und der Gesellschaft "Deutschland-Russland" – einem Zusammenschluss ehemaliger Botschafter der Sowjetunion bzw. Russlands in Deutschland. In diesen Gremien sollen Auswege aus der Konfrontation und Wege zur Kooperation diskutiert werden. Auch ein Gespräch in der Deutschen Botschaft in Moskau steht auf dem Programm. Die Teilnehmer sehen sich selbst in einer besonderen Rolle:
"Wir verstehen uns – ein wenig – auch als Vorreiter für die Gespräche, die es wieder auf allen politischen Ebenen geben muss und geben wird (davon sind wir überzeugt, denn die einzige Alternative wäre Krieg), als 'Anbahner' zukünftig vielfältiger gesellschaftlicher Kontakte, als 'Türöffner' für eine kooperative Zukunft."
Die Delegation lehnt sich dabei an die Entspannungspolitik der 1970er-Jahre und die Charta von Paris von 1990 an. Eine Politik der gemeinsamen Sicherheit sei für Deutschland in der Vergangenheit ein "Segen" gewesen und sei es auch in der Zukunft, betont Braun. Die multiple Krise sowie den aus seiner Sicht "wahnsinnigen Sozialabbau" durch Konfrontation und Hochrüstung könne man nur überwinden, wenn man wieder zu einem kooperativen Verhältnis mit Russland gelange. Für diese Ziele sei die Gruppe laut Braun "gerne bereit", Kritik und den möglichen Vorwurf der Russlandnähe in Kauf zu nehmen.
Fortsetzung des Petersburger Dialogs als "Russische Einflussoperation" verurteilt
Gespräche zwischen Vertretern aus Russland und Deutschland finden auf zivilgesellschaftlicher Ebene auch im Nachgang des "Petersburger Dialogs" statt. Dieses bilaterale Gesprächsformat wurde von deutscher Seite nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs offiziell aufgelöst, während die russische Seite versucht, entsprechende Kontakte aufrechtzuerhalten. In diesem Rahmen werden in regelmäßigen Abständen auch inoffizielle, privat geführte politische Sondierungsgespräche organisiert.
Das fünfte dieser Treffen fand in einem Hotel in Baku in Juli 2026 statt. Von deutscher Seite nahmen unter anderem der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und der frühere Bundeskanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) teil. Die russische Delegation wurde vom Aufsichtsratschef des Gazprom-Konzerns, Viktor Subkow, dem Leiter des Europainstituts der Russischen Akademie der Wissenschaften, Alexej Gromyko, sowie dem Vorsitzenden des russischen Menschenrechtsrates, Waleri Fadejew, gebildet.
Vor Ort in Aserbaidschan anwesende Reporter des ARD-Magazins "Kontraste" und der Wochenzeitung Die Zeit konfrontierten die deutsche Delegation mit Fragen zu den Inhalten der Zusammenkunft. In der anschließenden deutschen Berichterstattung wurden diese Gespräche kritisch bewertet und unter Verweis auf Einschätzungen von Sicherheitsbehörden als "Schattendiplomatie" oder "russische Einflussoperation" eingestuft. Russische Medien sowie die beteiligten Akteure ordneten das Treffen hingegen als Element einer pragmatisch orientierten, informellen Diplomatie ein, um bestehende Gesprächskanäle nicht vollständig abreißen zu lassen.
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