Wladimir Selenskij verärgert Donald Trump durch seine Unnachgiebigkeit – und das nicht zu knapp. Grund sei Selenskijs Unwille, Langstreckenangriffe auf diejenigen von Russlands Erdölraffinerien auszusetzen, die an Treibstoff überwiegend Dieselöl produzieren – und damit bei einer von Trump jüngst als vermittelt erklärten Energie-Waffenruhe mit Russland den Anfang zu machen. Dies berichtet The Atlantic unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten Beamten des Weißen Hauses.
Den Hintergrund bildet die aktuelle Treibstoffversorgungslage in den USA: Das Land leidet aktuell an einem Mangel an Dieselöl, von dem die straßen- statt schienengebundene US-Logistik schon immer sehr viel (gemessen an ihrer Umschlagsleistung vielleicht sogar übermäßig viel) verbraucht – sodass Trump die US-Sanktionen gegen Russlands Energieträgerexporte kürzlich per Dekret aussetzte. Selenskijs Sturheit, so zitiert The Atlantic den besagten Beamten des Weißen Hauses, wirke auf den US-Präsidenten alles andere als entspannend:
"Selenskij leistet sich momentan viel mehr als er sich leisten kann – und der Präsident ist darüber tierisch angepisst.
Der Präsident verlangt nur eines: Hört mit den Angriffen auf die Ölraffinerien auf. Dann gönnt ihm das doch einfach."
Dem Informanten zufolge betrachte Trump die Angriffe der ukrainischen Streitkräfte gegen Russlands Ölraffinerien und Russlands reziproke Angriffe auf ukrainische Kraftwerke und Umspannwerke nämlich nicht als gleichwertig. Zur Erinnerung: Größere Ölraffinerien sind in der Ukraine zwar nicht mehr in Betrieb, Treibstoffdepots und gegebenenfalls kleinere Raffinerien jedoch schon. Trump könnte einen Angriffsstopp auf solche Objekte daher als russische Gegenleistung verstehen – nicht aber einen Verzicht auf Angriffe gegen Kraftwerke und ähnliche Infrastruktur. Derartiges wurde auch in US-Medien (allen voran Axios) mit Verweisen auf Beamte des Weißen Hauses berichtet.
Der US-Präsident hatte gefordert, dass Kiew als erstes auf neue Angriffe verzichten und damit den Anfang machen solle, erinnerte der Beamte – der ukrainische Staatschef hatte diese Bedingung allerdings abgelehnt.
Am Samstag, dem 10. Oktober, warf Trump Selenskij vor, Washingtons Aufforderung zu ignorieren, Angriffe auf russische Ölraffinerien zur Dieselproduktion zu unterlassen. Überhaupt hätte der ukrainische Machthaber Trump zufolge schon längst Frieden mit Moskau schließen sollen, habe stattdessen aber "der ganzen Welt Probleme verschafft." Trump ging sogar so weit, Selenskij Neuwahlen vorzuschlagen, damit die Ukrainer endlich eine Führungspersönlichkeit wählen könnten, die eher zu Verhandlungen bereit sei.
Schon am Vortag hatte in Miami ein Treffen zwischen US-Vertretern und der ukrainischen Seite stattgefunden, das Medienberichten zufolge vorzeitig beendet wurde. Grund dafür war dem Vernehmen nach ein Abkommen über russischen Diesel, das der US-Präsident am Tag zuvor nach einem Telefonat mit Putin angekündigt hatte. Wie der Kreml mitteilte, drehte sich das Gespräch größtenteils um die Regelung des Ukraine-Konflikts.
Zudem berichtete die Financial Times, Vertreter Trumps hätten den Ukrainern einen möglichen Stopp der US-Waffenlieferungen und der Weitergabe von Aufklärungsdaten aller Art in Aussicht gestellt, sollten sie nicht von Attacken auf russische Ölraffinerien absehen.
Nun hat Selenskij am Mittag des 13. Oktober 2026 bestätigt, ein Angriff der russischen Streitkräfte mit Langstrecken-Präzisionswaffen am späten Abend des 12. Oktober 2026 gegen Objekte in Kiew sei für die ukrainische Luft- und Raketenabwehr völlig unerwartet gekommen – wohingegen die USA zuvor stets relevante Daten von ihren Aufklärungssatelliten an das ukrainische Militär weiterleiteten. Selenskij wörtlich:
"Was diesen Angriff anbelangt, so haben unsere Partner uns diesmal nicht davor gewarnt."
Diesmal erfuhren die ukrainischen Luftabwehrtruppen in Kiew von den ballistischen Raketen also erst, als ihre Radare sie im unmittelbaren Anflug entdeckten.
Der Außenminister der Ukraine, Andrei Sibiga, versuchte sich im Krisenmanagement, indem er auf angebliche, nicht näher beschriebene Besonderheiten der ballistischen Raketen verwies. Ob er damit meinte, dass diese Besonderheiten ein rechtzeitiges Entdecken der Raketen durch US-Aufklärungssatelliten verhindern, wurde aus seinen Ausführungen indes nicht klar.
Jedenfalls vermelden russische Medien am Dienstag, dem 13. Oktober 2026, seit vergangenem Freitag habe das ukrainische Militär keine Erdölraffinerien in Russland mehr angegriffen – andere Objekte hingegen, etwa den Industriepark in Newinnomyssk im Gebiet Stawropol, sehr wohl.
Russland wiederum hat seine Langstreckenangriffe auf Objekte des Stromnetzes im Hinterland der Ukraine ebenfalls ausgesetzt. Dies bestätigt auf Seiten des Westens, dessen Stellvertreterkrieg gegen Russland die Ukraine ausficht, zum Beispiel die Nachrichtenagentur Reuters.
Gleichzeitig haben beide Seiten die Existenz eines irgendwie gearteten "Energie-Waffenstillstandes" nicht öffentlich anerkannt, obwohl Moskau wie Kiew sich über einen solchen theoretischen Waffenstillstand geäußert hatten.
Wie Präsident Wladimir Putin seinerzeit erläuterte, hatte Russlands Militär in Reaktion auf Aktionen des Gegners – der erklärtermaßen das Ziel verfolgte, die russische Wirtschaft lahmzulegen – mit massiven Angriffen auf Anlagen der Energieinfrastruktur der Ukraine begonnen. Das russische Verteidigungsministerium betonte, dass dies zum Zwecke einer Verringerung des militärisch-wirtschaftlichen Potenzials der Ukraine geschehe.
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