Das ist ein Buch, das lange schon nötig gewesen wäre – weil es helfen wird, ein wenig mehr Rationalität in die deutsche Migrationsdebatte zu bringen. Es heißt "Der Asylkomplex" und macht das, was bisher gern vermieden wurde: Eine Berechnung, wie hoch die Kosten der Migration seit 2015 für Deutschland tatsächlich sind.
Eine solche Darstellung ist deshalb wichtig, weil den Gegnern offener Grenzen oft wirtschaftliche Interessen unterstellt werden. Die wirtschaftlichen Interessen der Befürworter bleiben dagegen häufig unbeachtet. Das gilt auch dann, wenn sich die Wahrnehmung von NGOs als Geschäftsmodell in den letzten Jahren hierzulande deutlich geschärft hat.
Der Autor Björn Harms fasste einen Teil der Erkenntnisse aktuell in einem Beitrag in der Welt zusammen und führte insbesondere an einem Berliner Beispiel aus, auf welche Kosten er gestoßen ist. Sein Beispiel ist eine brandneue Asylunterkunft in der Hasenheide, die seit dem 1. Oktober in Betrieb ist. Nachdem der Berliner Senat das ehemalige Verwaltungsgebäude gemietet hatte (bis 2035), baute er es zu einer Massenunterkunft um. Für den gesamten Mietzeitraum werden 150 Millionen Euro angesetzt. Das sind monatliche Kosten von etwa 1,2 Millionen Euro (warm).
Insgesamt können dort 921 Personen untergebracht werden. Die Mietkosten pro Kopf und Monat betragen also 1.302 Euro. Darin sind noch keine Kosten für Verpflegung, Security und Sozialarbeit enthalten. Das macht (die Rechnung macht Harms nicht auf) die Einrichtung zu einem dauerhaften Zuschussgeschäft für das Land Berlin. Die Erstattungsleistung des Bundes an die Länder für Asylbewerber beträgt pro Kopf und Monat 625 Euro. Allein durch die Miete ergibt sich also ein Verlust von 677 Euro pro Kopf und Monat.
Versorgt werden sollen die Insassen der Unterkunft mit drei Mahlzeiten pro Tag durch Caterer, die natürlich ebenfalls verdienen. "Heimbetreiber, Sicherheitsdienste, Immobilienbesitzer, Migrationsanwälte, Flüchtlingsräte oder Wohlfahrtsverbände", lautet die Liste bei Harms.
Übrigens gab es schon 2015 ähnlich großformatige Projekte. In den Folgejahren, als der Zustrom etwas abebbte, standen dann einige Städte in den Schlagzeilen, weil sie derartige Verträge geschlossen hatten und nicht mehr aus ihnen herauskamen, als dann doch weniger Flüchtlinge kamen.
Ein Beispiel: Rheinland-Pfalz kaufte 2016 eine Art kleine Doppelhaushälften für die Unterbringung syrischer Flüchtlinge, 84 Stück, errichtet in Zweibrücken, die seit 2018 leer standen. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zahlte jedoch weiter Miete. Insgesamt waren es seitdem mehr als eine Million Euro. Im Mai dieses Jahres wurde begonnen, die Bauten abzureißen. Die Wirkung? Die Mittel sind gebunden, ob es nun Flüchtlinge gibt oder nicht …
Harms versucht, die Summe dieser Ausgaben zu finden, und kommt auf ein Minimum von 400 Milliarden Euro im Zeitraum seit 2016, "konservativ gerechnet". Er fragte in den Landkreisen und Kommunen nach, wie viele Gemeinschaftsunterkünfte es gibt, da die Bundesländer keine Statistik darüber führen. Das Resultat: "Mindestens 4.437 Gemeinschaftsunterkünfte, in denen fast 295.000 Bewohner leben". Allerdings liefert das Statistische Bundesamt hier bereits höhere Zahlen: In Sammelunterkünften, Notübernachtungen und ähnlichen Einrichtungen sind in Deutschland insgesamt 452.900 Menschen untergebracht. 395.700 davon sind ausländische Staatsangehörige.
Die Zahl der Sozialpädagogen ist seit 2015 ebenfalls deutlich gewachsen, von 278.000 auf 351.000. 1,3 Milliarden habe der Bund allein 2025 für Integrationskurse ausgegeben, die sechs von zehn Teilnehmern ohne Abschluss verlassen hätten, schreibt Harms. Allerdings haben an diesen Kursen währenddessen private Sprachschulen gut verdient.
Die Befürworter offener Grenzen wohnen, so Harms, "selten in der Nähe der Asylunterkünfte, ihre Kinder besuchen selten die Schulen, an denen die Integration an ihre Grenzen stößt. Verkäuferinnen und Handwerker in Brennpunktvierteln dagegen spüren jede Belastung – und werden, sobald sie es ansprechen, als fremdenfeindlich abgestempelt."
Im März 2016 habe der damalige Fraktionschef der CDU/CSU, Volker Kauder, noch versprochen: "Niemandem wird etwas weggenommen, weil Flüchtlingen geholfen wird." Wenn man allerdings den Finger auf die Posten legt, sieht es anders aus. Selbst die Summe von bis zu einer Billion Euro, die Harms für diesen Zeitraum von zehn Jahren annimmt, dürfte nicht die vollständigen Kosten abdecken. Denn auch der zusätzliche Druck auf die Mieten gerade im günstigen Segment durch mittlerweile mehr als drei Millionen neue Einwohner ist ein spürbarer Verlust für alle, die miteinander um dieses knappe Gut konkurrieren müssen, und über Wohngeld und die Kosten der Unterkunft landet auch diese Konkurrenz wieder in der Steuerkasse. Bis in die Schlangen der Tafeln hinein sah die konkrete Erfahrung anders aus, als Kauder es versprochen hatte.
Aber erst in Zahlen gefasst lässt sich diese Entwicklung nicht mehr von der Hand weisen. Über Zahlen kann man nüchtern diskutieren. Das wäre in Deutschland sehr hilfreich.
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