Umfrage: Fast die Hälfte der Bundesbürger erwartet ein 2027 ohne Merz

Langsam erinnern die Beliebtheitswerte deutscher Kanzler an die Umfragewerte britischer Premierminister – einer unbeliebter als der andere, und von einem guten Start bis zu einem schlechten Ende vergehen nur Monate, nicht Jahre.

Da nützen auch die Treueschwüre der CDU‑Ministerpräsidenten nichts – die Umfragewerte für Bundeskanzler Friedrich Merz und die CDU werden zunehmend schlechter. In der letzten Umfrage des ZDF im Vorfeld der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern erreichte die CDU nur noch sieben Prozent. Die Beliebtheitswerte des Kanzlers bleiben unterirdisch.

Am Donnerstag attackierte Regierungssprecher Stefan Kornelius die Umfrageinstitute. "Keines dieser Institute, die in dieser Frequenz Umfragen auf den Tisch legen, hat die Finanzressourcen, um solche Umfragen zu machen. Also sollten wir vielleicht alle mal sehr vorsichtig mit diesem Instrument umgehen", erklärte er. Man scheint in der Umgebung des Kanzlers zunehmend dünnhäutiger zu werden.

Forsa-Chef Manfred Güllner hielt in einem Interview auf t-online dagegen: Ohne Auftrag würde kein Institut eine Umfrage durchführen. Aber Auftrag bedeute dann auch selbstverständlich, dass die Umfrage finanziert wird. "Forsa ermittelt die politische Stimmung seit fast 40 Jahren und wird dafür natürlich auch bezahlt".

Kornelius, früher Auslandschef der Süddeutschen Zeitung, müsse es eigentlich besser wissen. "Deswegen verwundert es sehr, dass er so eine pauschale Kritik von sich gibt, statt zur Kenntnis zu nehmen, dass die Mehrheit der Bundesbürger mit dem Kanzler tatsächlich sehr unzufrieden ist; denn dieser Befund verstetigt sich von Tag zu Tag." Er hoffe, das sei ein "einmaliger Ausfall von Kornelius".

Nicht einmal in der Talkshow "Lanz" wurden noch Erwartungen in Merz gesetzt. Der Bild-Journalist Paul Ronzheimer meinte: "Er hat Werte, die katastrophal sind … und das strahlt eben ab in seine eigene Partei." Taz-Korrespondentin Anna Lehmann vermutete, Merz werde 2029 nicht mehr antreten, und Tagesspiegel-Autor Daniel Friedrich Sturm meinte: "Die Ansehensverluste sind so groß, die Stimmung gegenüber Friedrich Merz in der Bevölkerung ist so schlecht – ich halte das für nicht mehr reparabel."

Allerdings gebe es – "mal von Markus Söder abgesehen" – niemanden, der auf den Kanzlersitz dränge. "Das hatten wir in fast 80 Jahren Bundesrepublik Deutschland noch nie!" Auch die CDU kam in der Runde nicht gut weg. Sie sei "zerrissen", es herrsche "kommunikative Disziplinlosigkeit". Für eine deutsche Fernsehtalkshow ein ungewöhnliches Ergebnis in ebenso ungewöhnlicher Einigkeit.

Allerdings ausnahmsweise in Übereinstimmung mit der Stimmung in der Bevölkerung. Eine YouGov-Umfrage, die ebenfalls am Donnerstag veröffentlicht wurde, stellte die Frage: "Glauben Sie, dass Friedrich Merz am Ende des laufenden Jahres noch Bundeskanzler sein wird, oder wird er nicht mehr Bundeskanzler sein?" 31 Prozent meinten, er werde zu Jahresende noch Kanzler sein. 21 Prozent machten keine Angabe. Aber ganze 48 Prozent erwarten, dass er am Jahresende nicht mehr Kanzler sein werde. Ein 2027 ohne Friedrich Merz scheint breite Zustimmung zu finden.

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