Mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen hält es eine deutliche Mehrheit der Deutschen inzwischen für wahrscheinlich, dass die AfD zeitnah einen Ministerpräsidenten stellen wird. Das ist das Ergebnis einer Insa-Umfrage im Auftrag der Bild. Demnach rechnen 69 Prozent der Befragten damit, dass die AfD nach den kommenden Landtagswahlen in mindestens einem Bundesland den Regierungschef stellen könnte. 41 Prozent erwarten dies in einem Land, weitere 28 Prozent sogar in mehreren Ländern.
Hintergrund der Befragung sind die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin im September. Nach aktuellen Umfragen liegt die AfD vor allem in Sachsen-Anhalt in Reichweite einer absoluten Mehrheit und hat auch im äußersten Nordosten gute Chancen. Für CDU und SPD zeichnet sich dort ein schwieriger Wahlherbst ab.
Falls die AfD zwar stärkste Kraft wird, aber keine absolute Mehrheit erreicht, würden die Befragten mehrheitlich ein Bündnis der CDU mit der Linken einer Kooperation mit der AfD vorziehen. Das würde die "Brandmauer" nach links sprengen – eine jahrzehntelanges "No-Go" für die Union. Rund 40 Prozent der Befragten sprechen sich eher für ein solches Bündnis mit der Linken aus, 36 Prozent eher für eine Zusammenarbeit mit der AfD. Auch unter den Anhängern der Union ist die Präferenz überraschend klar: 48 Prozent würden eine Koalition mit der Linken bevorzugen, nur 27 Prozent eine mit der AfD. Der Unvereinbarkeitsbeschluss der Bundes-CDU aus dem Jahr 2018 schließt jegliche Zusammenarbeit der Christdemokraten mit der AfD und der Linkspartei aus.
Zugleich zeigt die Umfrage, dass viele Bürger den generellen Umgang mit der AfD kritisch sehen. 45 Prozent sind der Ansicht, dass die "Brandmauer" der Partei eher nutzt als ihr schadet. Nur 30 Prozent glauben, dass die AfD nicht von der Abgrenzung der anderen Parteien profitiert.
Beim Thema AfD-Verbot ist das Meinungsbild geteilt. 47 Prozent sprechen sich eher gegen ein Verbotsverfahren aus, 38 Prozent sind dafür. Auffällig ist auch hier die Haltung der Unionsanhänger: Dort befürwortet mit 51 Prozent eine knappe Mehrheit ein Verbot, während 35 Prozent dagegen sind – die Angst vor der unmittelbaren Konkurrenz und dem eigenen Bedeutungsverlust ist hier offenbar enorm.
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