Deutschland erwägt laut einem Bericht des Daily Telegraph vom Mittwoch, der sich auf mit der Angelegenheit vertraute Quellen beruft, das britische Atomwaffenprogramm finanziell zu unterstützen. Hintergrund sei die zunehmende Skepsis europäischer NATO-Staaten gegenüber dem US-amerikanischen Atomschutzschirm.
Deutsche Regierungsvertreter diskutierten demnach über finanzielle und industrielle Unterstützung für das britische Atomwaffenprogramm der Trident-U-Boote, anstatt ein eigenes Atomwaffenarsenal aufzubauen. Eine Quelle nannte Deutschlands Schuldgefühle im Zweiten Weltkrieg als einen der Gründe.
"Wir haben ein großes Interesse daran, dass die bestehenden Atommächte in Europa ihre Kapazitäten ausbauen", sagte eine gut informierte Quelle der Zeitung.
Berlin prüfe demnach, ob deutsches Kapital oder deutsche Industrie zur nächsten Generation britischer Atom-U-Boote, Raketen oder zur Urananreicherung für zukünftige Sprengköpfe beitragen könnten. Eine britische Quelle aus dem Verteidigungsbereich bezweifelte jedoch, ob deutsche Unternehmen über die notwendige Expertise für den Bau und die Instandhaltung der britischen Atom-U-Boot-Flotte verfügen, die unter Wartungs- und Personalproblemen leidet.
Dieser Vorstoß erfolgte inmitten von Spannungen zwischen den europäischen NATO-Mitgliedern und US-Präsident Donald Trump, der die europäischen Staaten dazu gedrängt hat, mehr Verantwortung für ihre Verteidigung zu übernehmen und gleichzeitig die US-Militärpräsenz auf dem Kontinent zu reduzieren.
"Politiker fragen sich jeden Morgen: Was zum Teufel werden die Amerikaner morgen tun?", sagte eine deutsche diplomatische Quelle dem Daily Telegraph.
Anstatt mit der Entwicklung einer nationalen Atomwaffe zu reagieren, sucht Berlin laut dem Artikel zunehmend nach Möglichkeiten, Deutschland an die britischen und französischen Abschreckungsstrategien zu binden.
Gemeinsam mit Frankreich hat Deutschland eine Lenkungsgruppe für Nuklearstreitkräfte eingerichtet, und deutsche Streitkräfte werden voraussichtlich an einer französischen Nuklearübung teilnehmen. Berlin ist jedoch Berichten zufolge besorgt, sich allein auf Paris zu verlassen, da Präsident Emmanuel Macron im nächsten Jahr aus dem Amt scheiden und ein EU-skeptischer Kandidat die Wahl gewinnen könnte.
Deutschland ist gemäß dem Atomwaffensperrvertrag ein Nichtkernwaffenstaat und darf daher formell keine Atomwaffen herstellen oder kontrollieren. Der Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990, der den Weg für die deutsche Wiedervereinigung ebnete, verbot zudem die Stationierung ausländischer Atomwaffen und ihrer Trägersysteme auf dem Gebiet der ehemaligen DDR.
Berlin beteiligt sich dennoch bereits an der nuklearen Teilhabe der NATO und lagert mutmaßlich 20 US-amerikanische Atombomben auf dem Luftwaffenstützpunkt Büchel in Rheinland-Pfalz unter US-amerikanischer Obhut. Deutsche Flugzeuge sollen im Falle einer möglichen NATO-Operation eine Rolle beim Abwurf dieser Bomben spielen.
Der russische Auslandsgeheimdienst SWR berichtete letzten Monat, dass mindestens ein NATO-Land "Besorgnis über die aktiven Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in Deutschland mit Schwerpunkt auf Atomwaffen" geäußert habe.
Weiter hieß es, NATO-Experten glaubten, Deutschland könne das notwendige spaltbare Material "innerhalb von ein bis drei Monaten" herstellen und "innerhalb eines Jahres" einen funktionsfähigen Atomsprengsatz bauen, ohne einen umfassenden Test durchzuführen.
Moskau warnte, dass jegliche NATO-Pläne zur Stärkung des nuklearen Schutzschirms eine "direkte strategische Bedrohung" für Russland darstellten.
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