Tausende Migranten stürmen spanische Exklave Ceuta – Behörden fordern Armee und Notstand

Überwiegend junge Männer stürmten zu Tausenden die spanische Exklave Ceuta, indem sie den Grenzzaun überwanden oder mit Schwimmhilfen um die Seeabsperrungen herumschwammen. Die Aufnahmezentren sind völlig überlastet, Hunderte schlafen auf der Straße, und die Stadtregierung fordert den nationalen Notstand sowie den Einsatz der Armee.

In der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta hat sich die Lage an der Grenze zu Marokko innerhalb weniger Tage dramatisch zugespitzt.

Überwiegend junge Männer haben in großer Zahl den Weg über die Seeabsperrungen und den Grenzzaun gefunden. Viele schwammen mit Schwimmreifen und anderen Hilfsmitteln um den Tarajal-Wellenbrecher herum, andere überwanden Abschnitte des Zauns. Am Donnerstag sprachen örtliche Behörden von mehreren Tausend Neuankömmlingen innerhalb weniger Stunden.

Die Stadt mit ihren rund 85.000 Einwohnern ist der Situation nicht mehr gewachsen. Das zentrale Aufnahmezentrum CETI, ausgelegt für gut 500 Personen, beherbergt inzwischen weit mehr.

Einrichtungen für unbegleitete Minderjährige sind nach Angaben der Regionalregierung teilweise um das Zwanzigfache überbelegt. Hunderte Menschen schlafen auf der Strasse oder in provisorischen Lagern.

Juan Jesús Vivas, der Regierungschef von Ceuta, spricht von einem "humanitären und sozialen Notstand" und fordert Madrid auf, den nationalen Ausnahmezustand auszurufen sowie Armee und zusätzliche Polizeikräfte zu entsenden.

Als ein möglicher Auslöser für den Anstieg gilt ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs. Es verbietet die unmittelbare Zurückweisung von Migranten, die schwimmend spanisches Territorium erreichen.

Die sogenannte "Hot Return"-Praxis bleibt demnach auf jene beschränkt, die die physischen Grenzanlagen überwinden. Sicherheitsbehörden vermuten, dass Schleusergruppen diese rechtliche Unterscheidung gezielt ausnutzen.

Der erneute Ansturm erinnert an den Mai 2021, als innerhalb von zwei Tagen rund achttausend bis zehntausend Menschen nach Ceuta gelangten. Auch diesmal handelt es sich mehrheitlich um marokkanische und algerische Staatsangehörige.

Innenminister Fernando Grande-Marlaska will am Freitag selbst nach Ceuta reisen. Ob die spanische Regierung die Forderungen der Stadtregierung nach einem Notstand und einem verstärkten Militäreinsatz erfüllt, ist noch offen. Eine rasche Entspannung der Lage ist derzeit nicht absehbar.

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