Am Wochenende erschien auf verschiedenen sozialen Plattformen ein Bild, das einen uniformierten Mann zeigt, der mit einem Vorschlaghammer ein umgestürztes Jesus-Abbild zerstört, offenbar das Corpus eines im Freien stehenden Kruzifixes. Ein Vorgehen, das besonders unter Christen Empörung und Schmerz auslöste. Der mutmaßliche Täter: ein Soldat der israelischen Streitkräfte (IDF), die derzeit den südlichen Teil des Libanon besetzt halten. Der palästinensische Journalist Younis Tirawi hatte das Bild auf der Plattform X veröffentlicht.
Am Sonntagabend erklärte schließlich der Sprecher der israelischen Armee, Oberstleutnant Nadav Shoshani auf X, die IDF würden die Echtheit des Fotos überprüfen. Die dargestellten Handlungen würden nicht mit den Werten der israelischen Armee und dem von den Soldaten erwarteten Verhalten übereinstimmen. Shoshani versprach eine eingehende Untersuchung des Vorfalls. Man werde gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen.
Nach einigen Stunden folgte das Eingeständnis der IDF: Das Foto ist echt und zeigt tatsächlich ein Mitglied der israelischen Armee. Das Nordkommando der israelischen Streitkräfte leitete eine Untersuchung gegen den Soldaten und mögliche andere Beteiligte ein und versprach, "angemessene Maßnahmen" zu ergreifen. Es liege nicht in der Absicht der IDF, religiöse Symbole zu beschädigen, hieß es. Man wolle der betroffenen Gemeinde bei der Wiederaufrichtung und Renovierung der Statue behilflich sein.
Auch der israelische Außenminister Gideon Sa’ar äußerte sein Bedauern über den Vorfall. In einer auf X verbreiteten Botschaft nannte er die Zerstörung der Christus-Figur "schwerwiegend und beschämend" und forderte scharfe Maßnahmen gegen denjenigen, der "diese abscheuliche Tat" begangen hat. Zu den Werten des Staates Israel gehöre es, die Toleranz zwischen den Religionen zu fördern und andere Glaubensrichtungen zu respektieren. Sa’ar bat im Namen der israelischen Regierung um Verzeihung: "Wir entschuldigen uns für diesen Vorfall und vor jedem Christen, dessen Gefühle verletzt wurden."
Israelischen Medien zufolge handelt es sich beim Ort des Geschehens um das südlibanesische Dorf Debel, das mehrheitlich von Christen bewohnt ist, die meisten davon maronitische Katholiken. Es liegt nicht weit von der israelischen Grenze entfernt. Derzeit herrscht im Libanon eine – wenn auch brüchige – Waffenruhe. Zuvor hatte die israelische Armee in der Umgebung des Dorfes Kampfeinsätze gegen die militante schiitische Organisation Hisbollah durchgeführt.
Christen machen bis zu 35 Prozent der Gesamtbevölkerung im Libanon aus. Erst Anfang April hatte Papst Leo XIV. den von der israelischen Militäroffensive betroffenen Christen im Südlibanon eine Solidaritätserklärung zukommen lassen. Dabei erwähnte er auch den Ort Debel namentlich. Ein persönlicher Besuch des Apostolischen Nuntius Paolo Borgia, der Hilfsgüter in das durch die Kampfhandlungen isolierte Dorf bringen wollte, musste damals wegen der anhaltenden israelischen Angriffe abgebrochen werden.
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